-->

Archive for the 'Gläserner Staat' Category Page 2 of 7



Schwarz-Gelber Koalitionsvertrag 2009 in Sachen Freiheit und Netzpolitik

Gestern haben CDU und FDP ihren Entwurf des Vertrags für die Regierungs-Koalition im neuen Deutschen Bundestag 2009-2011 veröffentlicht. Unter den Gesichtspunkten Freiheit und Netzpolitik habe ich einige Dinge wertungsfrei herausgeschrieben, die nicht unbedingt in der Reihenfolge und dem exakten Wortlaut im Vertrag stehen, die aber dennoch so genannt und gefordert werden. Ich habe sie in folgende Bereiche eingeteilt, wobei selbstverständlich einige Überschneidungen auftreten. Korrekturen und Ergänzungen sehr gerne per Kommentar oder E-Mail:

Reporter ohne Grenzen: Situation der Pressefreiheit in Europa gefährlich

Die “Reporter ohne Grenzen” haben ihre Rangliste der Pressefreiheit 2009 veröffentlicht, die eine deutliche Verschlechterung der Pressefreiheit in Europa feststellt. Deutschland landet u.a. wegen der Ausweitung der Überwachungsbefugnisse für das BKA auf Platz 18:

Mit Sorge betrachtet Reporter ohne Grenzen (ROG) die sukzessive Verschlechterung der Situation von Medien und Journalisten in einigen europäischen Ländern. Anlässlich der Veröffentlichung der neuen ROG-Rangliste zur weltweiten Lage der Pressefreiheit am 20. Oktober warnt die Organisation zur Verteidigung der Presse- und Meinungsfreiheit davor, dass Europa seine langjährige Vorbildfunktion verlieren könnte. […]
Deutschland steht in diesem Jahr auf Platz 18 (2008: 20): Als kritisch bewertet wurde unter anderem das im vergangenen Januar in Kraft getretene BKA-Gesetz, das dem Bundeskriminalamt die Möglichkeit der Durchführung von Online-Durchsuchungen und Überwachung der Telekommunikation einräumt. Negativ ins Gewicht fielen auch Tendenzen der Pressekonzentration, der immer noch unzureichende Zugang zu öffentlichen Informationen sowie vereinzelte Fälle von körperlichen Übergriffen auf Journalisten.

Quelle: Reporter ohne Grenzen

Noch kein Einsatz für den “Bundestrojaner”?

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat seit Inkrafttreten der BKA-Novelle am 1. Januar keine einzige Onlinedurchsuchung durchgeführt. Dies erklärte ein BKA-Sprecher laut Vorabbericht auf Anfrage der “tageszeitung” in Berlin. Das BKA habe auch keinen entsprechenden Antrag bei Gericht gestellt. “In Zeiten der terroristischen Bedrohung halten wir die Onlinedurchsuchung dennoch für ein unverzichtbares polizeiliches Instrument”, sagte der BKA-Sprecher weiter.

Das sogenannte BKA-Gesetz war im Januar 2009 in Kraft getreten. Damit bekam das Bundeskriminalamt erstmals das Recht, zur Abwehr einer dringenden Gefahr die Computer von Verdächtigen heimlich auszuspähen und ihre Wohnungen abzuhören.

Quelle: tagesschau.de

10-minütiger Film über die Demonstration “Freiheit statt Angst” am 12.09 in Berlin

(via)

Video: Demo “Freiheit statt Angst” in Berlin in “ZDF heute”, Sendung vom 12.09.2009, 19 Uhr

Video von der großen Demonstration “Freiheit statt Angst” gegen Überwachung und Zensur am 12.09.2009 in Berlin (”ZDF heute”, Sendung vom 12.09.2009, 19 Uhr).

Video: Prof. James Boyle über “Science Commons”

Der amerikanische Jura-Professor James Boyle spricht im Rahmen der “Google Tech Talks” über Wissenschaft und Open Access, semantische Wissensformate für maschinenlesbares Wissen, wissenschaftliches Information-Retrieval und sein Projekt “Science Commons”, das viele dieser Punkte adressieren soll und so den Forschungskreislauf vereinfachen soll:

Science Commons was launched to expand the Creative Commons mission into the scientific realm. James Boyle will be talking about two Science Commons projects: The Neurocommons and the Materials Transfer Project. The Materials Transfer Project uses standard machine readable licenses so that one day sharing biological materials between labs might be as easy as buying books from Amazon. If these words weren’t forbidden at Google, he’d describe the Neurocommons as a first draft of an open “semantic web” for neurology. The overall goal is to take some of the ingenuity we devote to allowing teenagers to flirt with each other online, or people to share and find…

Freiheit statt Angst! Stoppt den Überwachungswahn! Demo am 12.September in Berlin

Am 12.September ist es wieder soweit: Ein breites Bürgerrechtsbündnis aus Verbänden, Organisationen und Parteien ruft auf zur Demonstration gegen Überwachung und Zensur in Berlin.

Unter dem Motto “Freiheit statt Angst! Stoppt den Überwachungswahn!” wird gegen die massiven Eingriffe in bürgerliche Freiheitsrechte zugunsten eines vermeintlichen Sicherheitsgewinns sowie gegen die ausufernde Überwachung durch private Unternehmen demonstriert. Alexander Svensson hat uns dazu einen Trailer kreiert:

Treffpunkt für die Demonstration ist um 15.00 Uhr am Potsdamer Platz in Berlin. Die Demonstration ist Teil des europaweiten Aktionstages “Freedom not Fear - Freiheit statt Angst”, zu dem länderübergreifend Proteste gegen die Überwachung der Bürgerinnen und Bürger stattfinden. Die Planung für Berlin findet wieder im Wiki des Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung statt. In Berlin in der Hessischen Straße 10 gibt es sogar ein eigenes Organisationsbüro vor Ort. Aktuelle Informationen werden auch stets über Twitter (@akvorrat) verbreitet.

Natürlich kostet eine solche Demonstration auch eine Menge Geld, weswegen die Humanistische Union als eine der Unterstützerorganisationen ein Spendenkonto eingerichtet hat:

Humanistische Union
Kontonummer: 30 74 250
Bankleitzahl: 100 205 00
Bank für Sozialwirtschaft
Verwendungszweck: “Demo “Freiheit statt Angst”

Alle Informationen finden sich auf der offiziellen Demo-Seite: www.freiheitstattangst.de

Bundesdatenschutzbeauftragter Schaar bittet Bundestag, Internet-Sperrgesetz zu überdenken

In einem Brief an den Deutschen Bundestag meldet sich der Bundesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, Peter Schaar, zu Wort. Er hat erhebliche Bedenken bei der ihm im Gesetz zugedachten Aufgabe und kritisiert, dass seine Teilnahme an Maßnahmen zur Kontrolle und Filterung von Internet-Inhalten den Gedanken der Informationsfreiheit ins Gegenteil verkehre. Er bittet daher darum, das Vorhaben noch einmal zu überdenken. An Rechtsausschuss, Wirtschaftsausschuss und Innenausschuss schreibt er:

Betreff: Gesetzentwurf der Bundesregierung - Entwurf eines Gesetzes zur Bekämpfung der Kinderpornographie in Kommunikationsnetzen - BT-Drucksache 16/13125
HIER Einrichtung eines Kontrollgremiums
BEZUG Ausschusssitzungen am 17. Juni 2009

[…]

den Medien habe ich entnehmen können, dass zur Kontrolle der BKA-Sperrliste ein unabhängiges Kontrollgremium eingerichtet werden soll. Dieses Gremium soll danach aus fünf Experten bestehen, die regelmäßig eine Prüfung der Sperrliste anhand von Stichproben durchführen und zudem jederzeit Einsicht in die Sperrliste nehmen können. Vorgesehen sei, das Gremium organisatorisch beim Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit anzusiedeln und ihm die Bestellung der Mitglieder zu übertragen. Leider habe ich bislang keine Kenntnis von den dabei diskutierten Formulierungsvorschlägen einer entsprechenden gesetzlichen Regelung.

Auch wenn ich durchaus nachvollziehen kann, dass Sicherungsmaßnahmen ergriffen werden sollen, um insbesondere die Anbieter von Telemediendiensten vor einer ungerechtfertigten Aufnahme in die Liste zu schützen, habe ich erhebliche Bedenken dagegen, mir die Aufgabe der Bestellung der Experten und die organisatorische Durchführung der Kontrolltätigkeit zu übertragen. Denn hierdurch sehe ich meine Unabhängigkeit als Datenschutz- und vor allem als Informationsfreiheitsbeauftragter gefährdet. Insbesondere wird durch eine wie auch immer geartete Teilnahme an Maßnahmen zur Kontrolle und Filterung von Internet-Inhalten der Gedanke der Informationsfreiheit geradezu ins Gegenteil verkehrt.

Ich möchte Sie daher bitten, das Vorhaben unter Berücksichtigung meiner Vorbehalte noch einmal zu überdenken.

Mit freundlichen Grüßen

Quelle: http://www.internet-law.de/Peter%20Schaar.pdf

SPD und CDU wollen Internet zensieren

Zensur verhindern! SPD stoppen!Während die Online-Petition gegen Internet-Sperren mit über 130.000 Mitzeichnern alle Rekorde bricht und die Netzgemeinde Sturm läuft gegen das undemokratische Vorhaben, haben sich die Verhandlungsführer von SPD und CDU auf ein Webseiten-Sperrgesetz geeinigt (Gesetzes-Entwurf).

Bereits am kommenden Donnerstag soll dieses im Bundestag verabschiedet werden. Entstehen soll nach den Wünschen von SPD und CDU so eine Zensur-Infrastruktur beim Bundeskriminalamt und bei den Internet Service Providern, die es ermöglicht, Listen von illegalen oder unerwünschen Webseiten durch das BKA zusammenstellen zu lassen, an die Provider zu übermitteln und dort sperren zu lassen. Vordergründig soll somit der Zugang zu illegalen Webseiten, die kinderpornographisches Material bereithalten, erschwert werden. Doch bereits jetzt existieren eine Reihe weiterer Forderungen: Die Film-, Musik- und Glücksspiel-Industrie fordert zur Sicherung ihrer Geschäftsmodelle in Deutschland bereits ähnliche Maßnahmen. Mit der “Salami-Taktik” wird es nicht lange dauern, bis die nächsten Hürden aufgebaut werden und andere unliebsame Inhalte gesperrt werden sollen. Die technischen Vorarbeiten sind dann bereits erledigt.

Der “Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur” (AK Zensur) hat derweil in einem offenen Brief an den Verhandlungsführer der SPD, Martin Dörmann, und die SPD-Fraktion alle weiteren Gespräche abgesagt:

Sehr geehrter Herr Dörmann,
liebe SPD-Bundestagsfraktion,

die Union hat sie Ihnen zugeworfen, Sie haben sie in der Hand - die Büchse der Pandora. Leider haben Sie nun doch beschlossen, sie allen Warnungen und Hinweisen zum Trotz zu öffnen. Aber: ist sie erst einmal geöffnet, ist es zu spät. Sie bauen zusammen mit Ihrem Koalitionspartner eine Internet-Zensur-Infrastruktur auf, die für beliebige Inhalte genutzt werden kann. […]

Selbst wenn die aktuelle Regierung sich formal auf das Sperren von Kinderpornografie beschränkt - ist die Infrastruktur erst einmal eingerichtet, kann und wird sie für beliebige Inhalte genutzt werden.

Sie planen, am Donnerstag die Büchse der Pandora zu öffnen. Daher sehen wir, die Internet-Community, keinen Grund mehr um weiter mit Ihnen zu reden. Alle weiteren Gespräche zu diesem Thema sagen wir hiermit ab. Dies gilt auch für Ihre Einladung für Mittwoch Nachmittag ins Paul-Löbe-Haus.

Hochachtungsvoll

Ihre im Arbeitskreis gegen Internet-Sperren zusammengeschlossene Internet-Community

(Bild: Spreeblick.com)

3sat Kulturzeit “Die Zensur im Netz - Das Ende der digitalen Welt?”






Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 Germany
Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 Germany