Während die Online-Petition gegen Internet-Sperren mit über 130.000 Mitzeichnern alle Rekorde bricht und die Netzgemeinde Sturm läuft gegen das undemokratische Vorhaben, haben sich die Verhandlungsführer von SPD und CDU auf ein Webseiten-Sperrgesetz geeinigt (Gesetzes-Entwurf).
Bereits am kommenden Donnerstag soll dieses im Bundestag verabschiedet werden. Entstehen soll nach den Wünschen von SPD und CDU so eine Zensur-Infrastruktur beim Bundeskriminalamt und bei den Internet Service Providern, die es ermöglicht, Listen von illegalen oder unerwünschen Webseiten durch das BKA zusammenstellen zu lassen, an die Provider zu übermitteln und dort sperren zu lassen. Vordergründig soll somit der Zugang zu illegalen Webseiten, die kinderpornographisches Material bereithalten, erschwert werden. Doch bereits jetzt existieren eine Reihe weiterer Forderungen: Die Film-, Musik- und Glücksspiel-Industrie fordert zur Sicherung ihrer Geschäftsmodelle in Deutschland bereits ähnliche Maßnahmen. Mit der “Salami-Taktik” wird es nicht lange dauern, bis die nächsten Hürden aufgebaut werden und andere unliebsame Inhalte gesperrt werden sollen. Die technischen Vorarbeiten sind dann bereits erledigt.
Der “Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur” (AK Zensur) hat derweil in einem offenen Brief an den Verhandlungsführer der SPD, Martin Dörmann, und die SPD-Fraktion alle weiteren Gespräche abgesagt:
Sehr geehrter Herr Dörmann,
liebe SPD-Bundestagsfraktion,
die Union hat sie Ihnen zugeworfen, Sie haben sie in der Hand - die Büchse der Pandora. Leider haben Sie nun doch beschlossen, sie allen Warnungen und Hinweisen zum Trotz zu öffnen. Aber: ist sie erst einmal geöffnet, ist es zu spät. Sie bauen zusammen mit Ihrem Koalitionspartner eine Internet-Zensur-Infrastruktur auf, die für beliebige Inhalte genutzt werden kann. […]
Selbst wenn die aktuelle Regierung sich formal auf das Sperren von Kinderpornografie beschränkt - ist die Infrastruktur erst einmal eingerichtet, kann und wird sie für beliebige Inhalte genutzt werden.
Sie planen, am Donnerstag die Büchse der Pandora zu öffnen. Daher sehen wir, die Internet-Community, keinen Grund mehr um weiter mit Ihnen zu reden. Alle weiteren Gespräche zu diesem Thema sagen wir hiermit ab. Dies gilt auch für Ihre Einladung für Mittwoch Nachmittag ins Paul-Löbe-Haus.
Hochachtungsvoll
Ihre im Arbeitskreis gegen Internet-Sperren zusammengeschlossene Internet-Community
(Bild: Spreeblick.com)
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